Fall Böhmermann – Henryk M. Broder: „Erdogan hat es verdient, beleidigt zu werden“

Der bekannte Publizist Henryk M. Broder bezeichnet den Fall Böhmermann politisch als eine grosse Posse. Hier werde „aus einem Furz ein Fackelzug gemacht“. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan hat eine große Neigung dazu, sich schon wegen kleinster Dinge beleidigt zu fühlen, sagt Broder. „Wenn man einem Despoten und Diktator wie Erdogan den kleinen Finger gibt, will er die ganze Hand haben“. Broder rechnet damit, dass sogar die Auslieferung Böhmermanns von der Türkei gefordert wird. Broder weiter: „Erdogan hat es verdient beleidigt zu werden!“

Kanzlerin Merkel ist natürlich in einer Zwickmühle. Durch ihre unorganisierte Flüchtlingspolitik muss sie sich mit Erdogan verbünden, damit nicht noch mehr Flüchtlinge nach Deutschland reisen. Dies bringt sie in eine Position, in der sie leicht erpressbar ist. Merkel darf nicht vergessen, auf welchen Grundsätzen und Grundwerten Deutschland und die EU gebaut ist. Pressefreiheit und Meinungsfreiheit gehören dazu an oberster Stelle genannt. Merkel gab später der Einleitung eines Strafverfahrens gegen Böhmermann statt (was juristisch auch nicht anders möglich war), trotzdem mahnte sie Erdogan in der Ansprache dazu ab. Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, aber noch viel zu wenig im Kampf um Freiheitsrechte in der Türkei.